LWL-GeodatenKultur

Ein Informationssystem der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen

Begriffe mit H...


Heimat

Emotionale und traditionelle Verbindung mit dem Ort beziehungsweise der Region (Kulturlandschaft), in der man geboren ist beziehungsweise länger wohnt. Hierdurch wird Heimat identitätsstiftend und ist gleichzeitig eine Akzeptanzkategorie für die Belange einer modernen Kulturlandschaftspflege (Regionale Identität).

Heimatpflege

Schutz, Erhalt und Wiederbelebung von regions- und ortsspezifischen Traditionen und Bräuchen.

Heimatschutz

Eine auf die lokale und regionale Bevölkerung hin ausgerichtete Kulturlandschaftspflege unter Bewahrung des kulturlandschaftsgeschichtlichen Erbes, bei der auch nicht sichtbare Traditionen, Bräuche, Raumvorstellungen und Mundarten Eingang finden. Heimatschutz war ursprünglich wie Naturschutz und Denkmalpflege vor 1945 eine anerkannte Schutzkategorie. Dies gibt es heute nur noch in Bayern, wo noch immer Bezirksheimatpfleger tätig sind. Ansonsten wird der Heimatschutz von Geschichtsvereinen und deren übergeordneten Verbänden wie dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz gefördert.

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Historische Altkarten

Handgezeichnete Pläne, Risse, auch frühe amtliche Karten, gewöhnlich zwischen 1500 und vor 1850 entstanden; liegen aus der Zeit vor der Erstellung von Katasterkarten (Kataster) in der Regel nicht flächendeckend vor und sind selbst bei größerer regionaler Abdeckung nicht im Sinne heutiger Karten zu verwenden. Sie wurden immer mit einem praktischen Zweck erstellt: Militärkarten zur Orientierung im Gelände, Herrschaftspläne, Katasterpläne zur Darstellung der Besitzverhältnisse. Die Mehrzahl der in Archiven ruhenden Karten entsprang Streitigkeiten und Prozessen. Sie sind daher überwiegend keine autonome Überlieferung, sondern Bestandteile der entsprechenden Akten. Bei Altkarten handelt es sich also durchweg um thematische Karten. Sie dienten dem Zweck, eine komplexe Sachlage eindeutig, nachvollziehbar und überschaubar darzustellen. Sie haben oft einen großen Maßstab und bieten nur die für den jeweiligen Konflikt wichtigen Elemente der räumlichen Verhältnisse. Nebensachverhalte sind häufig unvollständig oder mit künstlerischer Freiheit dargestellt. Sie enthalten dennoch zahlreiche historisch-geographische Informationen, etwa zur Lage von Objekten und Grenzen sowie zu Ortsnamen und Flurnamen. Unter den frühen amtlichen Karten sind Katasterkarten, welche seit dem frühen 19. Jahrhundert in allen deutschen Staaten aufgenommen wurden, in Verbindung mit den zugehörigen Lager- und Grundbüchern eine besonders wichtige landschaftsgeschichtliche Quelle, da sie parzellenscharf neben den Besitzverhältnissen auch die Bodennutzungen und oftmals auch die Siedlungsstrukturen so exakt erfassen, dass damit Vergleiche mit heutigen Raumstrukturen leicht möglich sind (Rückschreibung). Die daraus abgeleiteten Karten des aktuellen Bestands an historischen Strukturen und Einzelelementen (Relikt, Persistenz) sind dem Zweck nach als Inventarisierungskarten für die Lehre oder für Planungszwecke zu bewerten. Heute kommen zunehmend Geographische Informationssysteme (GIS) zum Einsatz. Da Altkarten immer mehr oder weniger verzerrt sind, wird bereits die Lokalisierung einzelner historischer Elemente in modernen Karten oder im Gelände schwierig. Sie müssen deshalb vor der weiteren Verarbeitung in oft aufwändiger Weise digitalisiert werden. Die Schichtenstruktur (Layer) von GIS enthält aber per se eine historische Dimension, da es möglich wird, etwa Karten mit ausgewählten Sachverhalten zu unterschiedlichen Zeitschnitten übereinander zu legen. Ob per Hand oder GIS, das Grundprinzip ist die Verschneidung historischer mit heutigen Karten. Das methodische Vorgehen ist dabei von den Zielsetzungen abhängig:

  • parzellenscharfe Rekonstruktionen von Landschaftsgefügen, etwa im Rahmen von Grundlagenforschungen zum Kulturlandschaftswandel oder verbunden mit Fragen der denkmalpflegerischen Bewertung;
  • Flächenbilanzierungen, aber nicht parzellenscharf, sondern nach einem Rastersystem, womit größere Gebiete bearbeitet und damit die großen Linien der Entwicklungen sichtbar gemacht werden können. Generalisierungen von solchen großmaßstäbigen Aufnahmen erlauben dann die Erstellung von Karten im Maßstab von etwa 1:100.000 oder kleiner. Dabei sind wiederum zwei Typen zu unterscheiden:
    • Landnutzungskarten zu unterschiedlichen Zeitschnitten, die hintereinander geschaltet Wandlungen in der Bodennutzung sichtbar machen.
    • Dokumentation der Persistenz von Landnutzungen in einer Karte, etwa der Ausdehnung des Waldes.


Die Kulturlandschaftswandelkarte versucht, das Nacheinander von Einzelkarten zu verschiedenen Querschnitten durch eine komplexe Zusammenschau mehrerer kulturlandschaftsgeschichtlicher Phasen in einem Kartenblatt darzustellen.

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Historische Kulturlandschaft

Der Begriff "historische Kulturlandschaft" wird in zweifacher Hinsicht verwendet:

  • Landschaftszustand vor der Gegenwart (historisch-geographische Betrachtungsweisen, Altlandschaft, Urlandschaft).
  • In der räumlichen Planung (Kulturlandschaftspflege) Raumausschnitt aus der gegenwärtigen Landschaft mit einem den Landschaftscharakter prägenden Bestand an Elementen und Strukturen aus der Vergangenheit; im Sinne des Bundesraumordnungsgesetzes sind das "gewachsene Kulturlandschaften".


Die Verwendung von "historisch" im Zusammenhang mit Kulturlandschaft hebt den Befund hervor, dass die auf uns überkommenen landschaftlichen Elemente und Strukturen unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr entstehen würden, da die dahinter stehenden Vorstellungen und Funktionen nicht mehr aktuell sind.

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